Wie alles begann…
Lies dir die Geschichte von Pastor Stevens durch, der vor 20 Jahren mit viel Liebe und Hingabe die Olives Primary School ins Leben gerufen hat.
Eine Schule mitten in den Slums von Bombululu, Mombasa, gebaut aus Wellblech und Müll, eine spartanische 1,5 qm Küche mit einer Feuerstelle, acht 3x3 m Räume ohne Türen mit alten Tafeln und zum Teil ohne natürliches Licht, Plumpsklos und nur drei Ventilatoren für die ganze Schule. Daher unerträgliche Hitze, Schweiß, Gestank, viel Dreck und Müll. Und dennoch ist es für die Schüler der Olives Primary School ein Glücksort. Ein Ort, an dem sie Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben, denn die gewöhnlichen Schulgebühren können sich diese Familien nicht leisten. Hier brauchen sie nur 30 Schilling (ca. 0,25€) am Tag zu zahlen, sofern sie Porridge sowie Mittagessen bekommen möchten. Sie sind jedoch auch ohne Essensgebühr willkommen: Dann teilen die anderen Kinder ihr Mittagessen brüderlich mit ihnen. Es ist ein Ort, der voller Liebe steckt. Das alles dank eines dürren, aber innerlich sowie äußerlich strahlenden Manns namens Stevens.
Stevens gilt als Pastor der Gegend, dabei ist er gar nicht so religiös aufgewachsen. Damals lebte er in einem Dorf. Zwar waren auch dort die Umstände eher ärmlich, doch gab es durch den Feldbau genügend Essen für alle und genug Platz, um sich Hütten und Brunnen zu bauen. Deswegen war er schockiert als er als zum Studieren nach Mombasa zog und mit dem Leid und der Armut der unzähligen Menschen in den Slums von Bombululu konfrontiert wurde. Diese Armut sei eine andere gewesen, eine viel schlimmere, hoffnungslosere als die, die er aus seiner Kindheit kannte. So begann er für die Familien und insbesondere die Kinder der dort lebenden Bevölkerung zu beten. Zudem besuchte er einige Familien und forderte diese höflich zum gemeinsamen Beten auf.
Eines Abends endeten diese Besuche dann allerdings schlagartig. Mal wieder besuchte er eine Familie und wollte mit ihnen gemeinsam beten. Während die Kinder begeistert zustimmten, wurde die Großmutter der Familie sauer, denn sie gehörte einer anderen Tradition an und hielt nichts vom Beten. Von ihrem Furor geleitet, verscheuchte die Großmutter Stevens so, dass er tatsächlich zu laufen begann. Daraufhin beschloss er, von nun an die Familienbesuche zu unterlassen.
Nichtsdestotrotz wohnte er sehr dicht an dem Slum und die beiden Mädchen der eben erwähnten Familie folgten ihm zu seiner Unterkunft und baten ihn, bei ihm bleiben zu dürfen und mit ihm zu spielen. Stevens war mit der Situation überfordert. Schließlich war er zu diesem Zeitpunkt gerade frisch mit seinem Bauingenieursstudium fertig, war jung und hatte keine Erfahrungen mit Kindern. Deshalb lehnte er die Bitte der Kinder ab und schickte sie nach Hause.
Am Tag darauf kamen das sechs- und das achtjährige Mädchen wieder. Dieses Mal wurden sie aber auch noch von 40 Freunden aus den Slums begleitet und alle wollten unbedingt, dass Stevens für sie betet und mit ihnen spielt. Trotz seiner Überforderung mit all den kleinen Kindern in seinem Zuhause begann Stevens ihnen die, wie er sie nennt, „vier R‘s“ beizubringen. Dazu gehören Lesen, Schreiben, Mathe und allgemeine Moral. Folglich begann er darüber nachzudenken, wie er sein Leben um die Kinder bauen kann und er wendete sich an das Children Departement von Kenia. Nachdem er ihnen die Situation schilderte, antwortete ihm diese Behörde nur „Do anything!“. Ihm waren also zum einen alle Freiheiten gelassen, zum anderen wusste er aber noch immer nicht, was er mit all den Kindern tun sollte und wie man überhaupt mit Kindern umzugehen hat.
Dies lernte er dann aber als er anfing, im Departement für Waisen als Freiwilliger zu arbeiten. Ihm wurde immer klarer, wie sehr ihn die Arbeit mit Kindern erfüllt und wie gerne er ihnen hilft, aus ihrer schmerzlichen Situation und dem Teufelskreis der Armut auszubrechen. So wurde er auch ein Teil von verschiedenen Mobilisierungsprogrammen, um Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Inzwischen hat ihn sein Wunsch zum Helfen bereits in die tiefsten Slums Nairobis geleitet. Allerdings konnte er es nach einer gewissen Zeit nicht mehr ertragen, dass er zwar viel tat aber kaum eine Wirkung erkennen konnte, denn wenn er mit seinen Charity-Organisationen beispielsweise Wasser zu den Familien in den Slums brachte, war nur einigen wenigen für einen begrenzten Zeitraum geholfen. Die Kinder der Nachbarn waren aber noch immer durstig. Dass nicht allen geholfen werden konnte, machte ihn psychisch krank und unglücklich.
Demzufolge entschloss er sich, lieber im Kleinen zu helfen und dafür eine wirkliche Wirkung spüren zu können und zog zurück nach Bombululu in Mombasa, um eine Grundschule zu gründen. Immerhin gab es in dieser Region zu der Zeit um die 100.000 Familien, jedoch nur eine öffentliche Schule.
Mit der finanziellen Unterstützung von der Mombasa Business Community sowie einer Frau namens Iris aus der Schweiz, die jeden Tag 200ml Milch für jedes Kind spendete und eine Menge Kontakte hatte, die Stevens bei seinem Projekt halfen, gründete er also die Olives Primary School. Zunächst hatte die Schule 40 Schüler: Die 40 Kinder, die in seiner Wohnung die 4 R`s gelernt hatten. Doch innerhalb kürzester Zeit kamen immer mehr Kinder in die Schule und das Projekt wuchs und wuchs. Nichtsdestotrotz musste Stevens die Grenze von ungefähr zehn Schülern pro Klassenstufe festlegen, weil die Kapazitäten schlichtweg nicht mehr zuließen.
Während die Schule wuchs, wurde das Projekt auch immer komplexer und erfolgreicher. Mehr und mehr studierte Lehrer wurden eingestellt und ersetzten die freiwilligen, ungelernten Lehrer, sodass die Kinder an immer besserer Bildung gewannen.
Mittlerweile besteht die Olives Primary School seit mehr als 20 Jahren und verzeichnet mehrere Schüler, die an der National School, also die oberste Liga der Highschools in Kenia, aufgenommen wurden und später Berufe als Tierarzt oder ITler annahmen. Außerdem gibt es einen Lehrer an der Schule, der selbst einmal auf den klapprigen Holzbänken der Olives Primary School hockte und fleißig gelernt hat.
In dem Strahlen von Stevens Augen kann man seine Freude an seiner Schule erkennen. Er opferte seinen Studienabschluss, mit dem er sicherlich einen sehr gut bezahlten Job hätte ergattern können, den Kindern in den Slums, um ihnen eine Chance zu ermöglichen, auszubrechen. Nun sitzt er in seinem kleinen Büro der Schule aus Wellblech mit unangenehmsten Temperaturen auf einem ungemütlichen Plastikstuhl, ernährt sich hauptsächlich von Ugali und lebt in einer winzigen Wohnung, doch ist glücklich und erfreut sich an jedem Erfolg der Kinder sowie der Schule.